Made in Germany: Möbel werden teurer

Verfasst von bz am 1. September 2010 - 21:39 01. September 2010

"Made in Germany" - dieses Siegel erfreut sich im Bereich Wohnen und Einrichten momentan größter Beliebtheit. Die deutschen Möbelhersteller schafften es, im ersten Halbjahr 2010 Möbel für 3,9 Milliarden Euro zu exportieren - das entspricht gegenüber dem Vorjahr einer Steigerung von 8,4 Prozent. Gerade Küchen aus deutscher Fertigung erscheinen beliebt: In den europäischen Nachbarländern Holland und Österreich soll jede zweite Küche "made in Germany" sein.

Insgesamt ist die Krise aus 2009 also ganz gut überwunden, erklärt auch der Präsident des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM), Elmar Duffner. Insgesamt setzten deutsche Möbelproduzenten in den ersten sechs Monaten des Jahres 7,6 Milliarden Euro um - zum Jahresende hat sich die Branche einen Umsatz von 18,5 Milliarden Euro kalkuliert. Das würde einem Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen. Aber: Es gibt ein Sorgenkind am deutschen Möbelmarkt. Die Hersteller gehen davon aus, dass die Materialpreise deutlich steigen werden.

Das Leder, was größtenteils aus Südamerika kommt, ist schon jetzt um bis zu 25 Prozent teurer geworden. Duffner dazu: "Die Preiserhöhungen sind logisch und notwendig. Es liegt an den Händlern, ob sie die Aufschläge an die Konsumenten weitergeben." Im Durchschnitt sei davon auszugehen, dass die Händler einen Preisaufschlag von 2,9 Prozent abfedern müssen - ob nun mit oder ohne Preiserhöhungen, entscheiden die Händler für sich, was den Wettbewerb sehr ankurbeln dürfte. Klar: Der Aufschwung kommt vom Endverbraucher und dieser muss unter Umständen selbst dafür zahlen. 

Gerade der Privatkunde sei für den steigenden Absatz verantwortlich, so kletterten die Umsätze von Kastenmöbeln und Küchen auf fünf Milliarden Euro, während die Umsätze für Büromöbel um neun Prozent auf 800 Millionen Euro zusammenbrachen. Duffner sieht im Möbelumsatz einen guten Konjunkturindikator: "Wenn Möbel gekauft werden, sind die Konsumenten optimistisch." 

Mit "made in Germany" werden häufig die oberen Preissegmente bedient, während billige Produktionen eher aus Asien kommen. So stiegen die Importe im ersten Halbjahr 2010 um 15,5 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro - eine ebenfalls beeindruckende Summe. Italien wurde von Platz zwei der Importländer durch China verdrängt; das Land brachte 26 Prozent der Importmenge. Das Gros der Möbel wird aus Polen importiert - Polen ist die Nummer Eins der Importländer. Das Niedrigpreissegment ist mit rund einem Drittel (Schätzung VDM) nur die kleine Masse, die verkauft wird. Duffner sieht darin eine Chance für deutsche Hersteller: "Langsam reift die Erkenntnis, dass es sich lohnt, in Qualität zu investieren."

dpa

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