Mehrgenerationenhaus: Modernes Zukunftsprojekt oder ungewisse Zukunft?

Verfasst von bz am 3. December 2010 - 12:45 03. December 2010

Berufstätige, Kinder, Senioren leben deutschlandweit zurzeit in rund 500 Mehrgenerationenhäusern. Die Nachfrage zum alternativen Wohnen ist steigend, was an zunehmender Vereinsamung der Menschen in großstädtischen Ballungszentren begründet sein könnte. Gerade Senioren verkleinern gern ihre Wohnungseinrichtung, um im Mehrgenerationenhaus Nachbarschaftshilfe in den Mittelpunkt ihres neuen Lebens zu stellen. Manche nennen das ehrenamtliche Tätigkeit, es läuft zwar aufs selbe hinaus, klingt jedoch sehr nach Beamtendeutsch. 

Auf individuellen Lebensstil braucht im Mehrgenerationenhaus niemand verzichten: Die eigenen Möbel, Kücheneinrichtung, Bad nach persönlichen Bedürfnissen sind selbstverständlich. Das Besondere am Mehrgenerationenhaus ist vielmehr ein Miteinander der Menschen unterschiedlichen Alters. Ob die Wohnungseinrichtung vom erstklassigen Designer hypermodern gestylt, die eigenen vier Wände im Retrolook der sechziger Jahre daherkommen, von Online-Shops wie moebel-profi.de oder uralte Erbstücke vergangener Stilepochen sind spielt keine Rolle. Eine entscheidende Rolle spielt allerdings, ob die einzelnen Mietparteien zueinander passen. 

Um das herauszufinden, werden vorm Einzug ins neue Heim lange Vorgespräche geführt, das Interesse am Nachbarn muss vorhanden sein, schließlich funktioniert das Mehrgenerationenhaus als eine Art soziales Netzwerk, in dem Nehmen und Geben obenan stehen. Junge Familien packen ihre Möbel und ziehen gern ins Mehrgenerationenhaus, weil dort die (kostenlose) Kinderbetreuung geradezu optimal ist. Ob beim Märchenvorlesen im Kinderzimmer, Bastelnachmittage oder auf dem straßenfernen Spielplatz tollen, rüstige, lebensfrohe Senioren sind immer dabei. 

Für das Mehrgenerationenhaus gibt es unterschiedliche Finanzierungsmodelle. Und deshalb sorgten jüngste Verlautbarungen der Bundesfamilienministerin Dr. Christina Schröder (CDU) zumindest bei den Mehrgenerationenhäusern, die auf staatliche Fördermittel angewiesen sind, für Unsicherheit. Andere Mehrgenerationenhäuser bestehen aus Eigentums- und Mietwohnungen, was wohl zur Folge hat, dass es sich allein Gutbetuchte leisten können, dort gut zu wohnen. Verbraucher, die sich umfassender über ein Mehrgenerationenhaus informieren möchten, finden diverse Erläuterungen unter mehrgenerationenhaeuser.de auch für ihre jeweilige Region. Wohngegend, Größe der Wohnung, für die Einrichtung überaus bedeutsam, Gemeinschaftsräume, wie Werkstätten, Café, Bistro oder dergleichen, Aktivitäten und Fragen zur Finanzierung werden dargelegt.

Mehrgenerationenhäuser

Bild: Mehrgenerationenhäuser