Mode und Möbel gehen Hand in Hand

Verfasst von bz am 16. August 2010 - 15:28 16. August 2010

Sich einrichten wie man sich kleidet? Warum nicht, denken wohl Modeschöpfer wie Esprit, Diesel oder H&M, die neben ihren Kollektionen für Mann und Frau auch Möbel offerieren. Klar - das Geschäft ist lukrativ, und so bilden sich immer mehr Hersteller heraus, die nicht bei ihrem Kerngeschäft bleiben, sondern darüber hinaus erwachsen.

Minimalistisch, aber poppig, das beschreibt in etwa den Wohnwunsch des Durchschnitts-Deutschen in der heutigen Zeit. Warum darf ein Tisch nicht auch lila sein, darf doch auch ein Shirt pink sein? Vor Jahren hätte das noch niemand getan. Es gefällt, sich auf lilanen Hockern zu setzen, einen schrill grünen Beistelltisch sein Eigen zu nennen und die schweren roten Samt-Gardinen zuzuziehen, wenn es gemütlich daheim werden soll. Modekritikerin Suzy Menkes verkündet in der "International Herald Tribune" das Credo des 21. Jahrhunderts: "To BE or not to BE". Dabei steht allerdings BE für Brand Extensions, also für Markenerweiterung. Mode-Labels beschränken sich heute nicht mehr auf ihr Kerngeschäft. Sie erweiterten einst die eigene Kollektion um Accessoires wie Taschen, Gürtel oder Hüte und dringen nun ins Metier der Inneneinrichtung ein.

Mode war schon immer schnelllebig und heute trifft das durchaus auch auf Möbel zu. Eine Couch, die 50 Jahre lang hält, hatten vielleicht noch die Großeltern - heute ist nach einigen Jahren Schluss. Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid fand heraus, dass sich 13 Prozent der Befragten nach maximal fünf Jahren für neue Möbel entscheiden, während weitere 41 Prozent nach zehn Jahren komplett neu eingerichtet sind. Heißt also, dass erst Accessoires wie Decken, Kissen, Stoffe, Überwürfe, Vasen oder Lampen dann gekauft werden, wenn sie gefallen, nicht wenn sie nach 20 Jahren ersetzt werden müssen. Und um dieses Gefallen buhlen auch Kleidungshersteller wie Zara oder Esprit. H&M füllt mittlerweile schon eigene Deko-Kataloge, wie sie sonst eher von Ikea bekannt sein dürften. Nachdem Möbel allerdings noch immer so teuer sind, dass man sie sich nicht mal eben so kauft, sondern dafür plant, ist mal schnell ein neuer Stoffüberwurf, ein neues Deko-Element oder eine neue Bettgarnitur bei H&M gekauft.

Esprit weiß mittlerweile, dass sich ein etablierter Name leicht verkauft: Steht "Esprit" auf Bettwäsche, Tapeten, Teppichen, Lampen oder Badezimmerausstattung, prangt das Label auf Küchenutensilien wie Geschirr oder Gläsern und wird der Boden mit Esprit-Laminat ausgelegt, vertrauen die Kunden eher als bei No-Name-Produkten oder anderen Marken. Esprit ist in - also ist auch deren Inneneinrichtung en vogue. Auf junge Menschen ausgelegt, schlagen Regale dann mit keinen 300 Euro zu Buche, damit man sich diesen Namen auch leisten kann. Diesel ist das jüngste Kind in der Möbelwelt. Hier seien es aber die "Besserverdiener", die angesprochen werden sollen, um "die Möbel mit Kultfaktor" auszuwählen. Die Idee ist einfach und schlicht, wie Ursula Geismann vom Verband der deutschen Möbelindustrie begründet: "Wer aus Imagegründen bestimmte Unterhosen kauft, möbliert aus Imagegründen auch seine Wohnung."

Esprit

Bild: Esprit